Köln, 01. Oktober 2025 – In einem Interview mit der ZM – Zahnärztlichen Mitteilungen äußert sich Jochen G. Linneweh, Präsident des Bundesverbands Dentalhandel (BVD), zu „billig“ Medizinprodukten, die über Plattformen aus Fernost wie TEMU und AliExpress angeboten werden. Er warnt deutlich vor den Gefahren für Zahnärzte und deren Patienten. Seine klare Botschaft: „Der Kauf von Schnäppchen aus Fernost ist mit sehr hohen Risiken verbunden.“
Zwar lasse sich der Marktanteil asiatischer Medizinprodukte derzeit nicht exakt beziffern, doch nach Einschätzung des Verbands ist er bislang gering. Die deutschen Zahnärztinnen und Zahnärzte legen großen Wert auf Qualität, Sicherheit und Konformität – Anforderungen, die viele Produkte aus Fernost nicht erfüllen.
Der BVD sieht besonders kritisch, dass viele Medizinprodukte nicht den Anforderungen der europäischen MDR (Medical Device Regulation) entsprechen und oft die erforderliche CE-Kennzeichnung fehlt oder unzureichend ist. „Wenn ein Patient durch ein nicht normgerechtes oder fehlerhaftes Produkt verletzt wird, haftet der Zahnarzt persönlich, da er als Anwender die Verantwortung für das verwendete Medizinprodukt trägt.“, erklärt Linneweh im Interview mit der zm.
Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Service- und Wartungsinfrastruktur bei internationalen Onlineanbietern dar. Während der deutsche Dentalfachhandel eine schnelle und normgerechte Wartung sicherstellt, fehlt bei Fernost-Plattformen die verlässliche Unterstützung im Schadensfall.
Produktfälschungen und fehlende Gewährleistung
Linneweh warnt zudem vor der Zunahme von Produktfälschungen, die durch moderne Fertigungstechniken wie 3D-Druck immer leichter herzustellen sind. Ein unrealistisch niedriger Preis, eine mangelnde Produktdokumentation sowie eine undurchsichtige Anbieterstruktur sind aus Sicht des BVD-Präsidenten klare Warnsignale.
Auch die Gewährleistung stellt ein zentrales Problem dar: Während deutsche Händler gesetzlich zur Gewährleistung verpflichtet sind, fehlt diese Sicherheit beim Direktimport aus Asien meist vollständig.
Der Fachhandel als Garant für Sicherheit
Der BVD appelliert daher an Zahnärztinnen und Zahnärzte, ausschließlich über den etablierten Dentalfachhandel zu beziehen. Dieser garantiert nicht nur die Einhaltung aller gesetzlichen Normen, sondern schützt auch vor Fälschungen und bietet im Ernstfall verlässlichen Service.
„Grundsätzlich ist der Dentalhandel sehr offen für innovative Produkte aus Fernost. Die entscheidende Voraussetzung ist und bleibt die Einhaltung der europäischen Regularien.“, so Linneweh abschließend, wie es beispielsweise asiatische Hersteller wie GC, Shofu, NSK und Belmont selbstverständlich gewährleisten.
Das vollständige Interview mit Jochen G. Linneweh ist in der aktuellen Ausgabe 19/2025 der Zahnärztlichen Mitteilungen (ZM) erschienen.